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Literaturhinweise zu Kritik und Alternativen
- Medizin - Kranheitsbegriff - Statistik - Schwangerschaft -

Letzte Aktualisierung 30.05.2010









Literaturhinweise zur Kritik und Alternativen - Medizin - Kranheitsbegriff - Statistik - Schwangerschaft -: Pränataldiagnostik, Hebammen, Körper, Sexualitaet, Depression, Psychiatrie, Sexismus, Gewalt, Barbara Duden, Militarismus, krank, Norm, Normierung, Krankheit, Foucault











Die Zukunft des biopolitischen Totalitarismus - Medizin & Kranheitsbegriff


Die Medizin ist neben Polizei, Militär und Justiz die vierte repressive Instanz zur Durchsetzung von Herrschaft im bürgerlichen Staat. Bürgerliche Medizin & Krankheitsbegriff sind biopolitische Instrumente zur Formierung / Produktion des Körpers und Selbstverständnisses der Subjekte im bürgerlichen Staat, und, zur Verwaltung des Bevölkerungskörpers, seiner Optimierung für die Bedürfnisse der kapitalistischen Akkumulation.

Früher gab es eingebildete Kranke, mit dem neuen Medizin & Krankheitsbegriff gibt es in der Zukunft wohl nur noch eingebildete Gesunde. Denn diese neue Medizin & dieser Krankheitsbegriff führen dazu, daß bald wohl Alle krank sind.

Schon heute behauptet diese neue Medizin, mit ihrem Krankheitsbegriff, daß 30% der Menschen an Depression erkranken würden und ein Behandlungsdefizit entstünde, da die meisten Erkrankten dies nicht als Krankheit begreifen würden. Aber die neue Medizin, mit ihrem Krankheitsbegriff, wird schon dafür sorgen, daß Menschen ihre Unzufriedenheit nicht mehr in politische Handlung umsetzen, sondern demnächst, im Sinne dieser neuen Medizin & ihres Krankheitsbegriffes, ihre Unzufriedenheit als Krankheit begreifen und mit Psychodrogen kurieren lassen. Falls nicht genug Menschen sich durch die Medizin & ihren Krankheitsbegriff überzeugen lassen, muß den Kranken natürlich trotzdem durch diese neue Medizin & diesen Krankheitsbegriff geholfen werden, wie wäre es mit Psychopharmaka im Trinkwasser?
Und alle laufen nur noch 'fröhlich' herum.
Das Problem ist dabei das Drogenmonopol der Medizin und des Staates, nicht primär die Droge. Freiwillig sollte jede/r nehmen dürfen, was er / sie will. Aber das ist natürlich nicht im Sinn der biopolitischen Verwaltung der Subjekte durch Medizin & Krankheitsbegriff.
Fatal wird dies allerdings dadurch, daß die meisten die Normen der Medizin internalisiert haben und eine Unterscheidung zwischen Freiwilligkeit und Zwang nur bedingt sinnvoll möglich ist.

Die Medizin dient in dieser Modernisierung als biopolitisches Instrument, zur weiteren Zerstörung des Raumes des Politischen, und, zur weiteren entindividualisierten Individualisierung der Subjekte. Das Scheitern an gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen wird im Begriff der Krankheit individualisiert, gleichzeitig werden die Subjekte als Objekte der Medizin entindividualisiert und ihnen Handlungskompetenz abgesprochen.

In der Internalisierung dieser medizinischen Zuweisungen entmündigen sich dabei die Subjekte selbst.

Bürgerliche Medizin & Krankheitsbegriff sind zur Entmündigung der Menschen geschaffen. Die moderne Medizin definiert Krankheit ja gerade unabhängig vom Subjekt und ihrem / seinem Empfinden. Diese Medizin & dieser Krankheitsbegriff definieren krank nicht mehr an Hand des Befindens von Menschen, sondern auf Grund abstrakter Messungen, die zumindest teilweise in keinerlei Bezug zur Lebenswirklichkeit der Menschen stehen. Die neue Medizin & ihr Krankheitsbegriff rekurieren z.B. auf sogenannte genetische Dispositionen.

Dies sind aber rein statistische Werte, die auf das Individuum nicht übertragen werden können. Ein Übertrag auf das Individuum ist mathematisch falsch und rein ideologisch begründet.
Einfach zu begreifen ist dies an Hand eines mathematischen Beispiels.
Bei sechs Würfeln, einen Würfel nur mit Einsen, einen Würfel nur mit Zweien, einen Würfel nur mit Dreien, einen Würfel nur mit Vieren, einen Würfel nur mit Fünfen, und einen Würfel nur mit Sechsen, wird beim Würfeln mit allen sechs Würfeln jede Zahl statistisch gleichhäufig erscheinen. Daraus zu schließen, dies würde auch für die einzelnen Würfel gelten, ist aber offensichtlich falsch.
Nur bei sechs gleichen Würfel wäre ein Schluß von der Statistik auf den Einzelfall zulässig.
Menschen sind aber nicht gleich. Das heißt, daß statistische Krebsrisiko bezogen auf den Faktor X sagt absolut nichts über mein individuelles Krebsrisiko aus, auch wenn der Faktor X bei mir vorkommt, bin ich doch ansonsten unterschiedlich zu allen anderen Menschen mit demselben Faktor.


Die Medizin & der Kranheitsbegriff sind Kontrolltechnologien, die nach dem Modus des 'Leben und Sterben lassens' funktionieren. Durch die Medizin & ihren Kranheitsbegriff, der Krankheit statistisch faßt, wird Krankheit und Gesundheit primär unter dem Gesichtspunkt einer BioPolitik des Bevölkerungskörpers und einer BioPolitik der Körpernorm definiert, im Sinn der Optimierung der Menschen für den Markt. Die/der individuelle Mensch kommt in dieser Medizin & diesem Krankheitsbegriff nur noch als Störfaktor, Abweichung von der Norm dieser Medizin & ihres Krankheitsbegriffes, vor.
Als krank werden Menschen definiert, die ein statistisches Ausfallrisiko für den Produktionablauf darstellen, unabhängig davon, ob sie selbst sich krank fühlen. Langfristig zielen die Praxen der Medizin aber darauf ab, dafür zu sorgen, daß die Menschen diesen entfremdeten Krankheitbegriff internalisieren, und, sich selbst nur noch unter dem Gesichtspunkt der Optimierung für den kapitalistischen Verwertungsprozess wahrnehmen.


J.Djuren, Hannover 2006/08








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