Gott Göttin Götterich Göttel usw.




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Auch in einer freien anarchistischen Gesellschaft werden Menschen an dies und jenes glauben, auch dort werden Menschen Ideen über die Biologie des Menschen weiterentwickeln und sie werden irgendwo geboren und aufgewachsen sein und dort soziale Bezugspunkte haben, und manche werden sich sexuell definieren und andere nicht. Aber was ein Mensch ist, wie eine gesehen wird, welche Chancen und Möglichkeiten eine erhält, welche Handlungsspielräume, wird nicht hiervon abhängen, sondern vom konkreten Tun der/des Einzelnen.

Um diese Utopie umzusetzen ist es notwendig die Machtsysteme, die Menschen über Glauben, Sexualität, Biologie oder Herkunft Chancen zuweisen und ihnen Handlungsräume gewähren oder entziehen, zu zerstören.

Bezüglich Sexismus, Biologismus, Rassismus oder Nationalismus besteht zumindest in Teilen der Linken hierüber ein Konsens. Religionen als die Machtsysteme, die auf der Definition von Menschen über ihren Glauben basieren, werden aber häufig, zumindest in Europa, als nicht mehr von Bedeutung angesehen und vernachlässigt.
'Ob Mensch an einen Gott oder einen Göttel[1] glaubt ist Privatsache und deshalb keine Frage der Politik.'
Dieses Argument kommt regelmäßig falls AnarchistInnen Religionen kritisieren.
Dies unterschätzt einmal die Bedeutung der Religionen für die Aufrechterhaltung auch der anderen Machtsysteme. Nur durch die wechselseitige Verstärkung gewinnen sie ihre Macht.
Und es unterschätzt die Bedeutung religiöser Einflüsse insgesamt.

Wieso sitzen Kirchenvertreter in fast allen politischen Beiräten und Gremien der Republik?
Wieso muß die ganze Umgebung durch Kirchenglocken beschallt werden?
Wieso werden KindergärtnerInnen überwiegend nach Religionszugehörigkeit eingestellt?
Wieso durchzieht die religiöse Propaganda Kinderbücher, Fernsehen usw.?
Wieso haben wir kirchliche Feiertage?
Wieso erzählen wir Kindern zu Weihnachten Lügengeschichten?[2]

Mit Gramsci läßt sich als Aufgabe der Religionen vor allem die Sicherstellung der kulturellen Hegemonie im Sinne der Herrschenden begreifen. In einigen Fällen werden Religionsgruppen auch nur mit bestimmten Fraktionen und Machtgruppen paktieren und andere bekämpfen. Grundsätzlich gilt, daß Religionen eine zutiefst politische Aufgabe ausfüllen. Religion muß dazu Konfliktpotentiale, Ungerechtigkeiten, die Kritik von Unterdrückung und Ausbeutung aufgreifen, um sie im Sinn der Notwendigkeit der Fortsetzung der Herrschaftsverhältnisse zu interpretieren und Widerstand zu reintegrieren.
Im Einzelfall kann dies dazu führen, daß sich innerhalb von Religionsgruppen Abspaltungen bilden, die tatsächlich Unterdrückung bekämpfen.
Gerade dadurch, daß sich Religionen apolitisch geben, können sie die Aufgabe der Sicherstellung der Hegemonie so gut ausfüllen. Dazu wenden sie den Gottestrick an. Durch die Berufung auf eine höhere Wesenheit, die unsichtbar oder zumindest als nicht direkt erfaßbar definiert wird, werden die jeweiligen politischen Anschauungen als überpolitisch und übermenschlich verkauft. Durch den Gottestrick, der in jeder Religion in der einen oder anderen Weise angewandt wird schaffen sich Religionen ihre Machtbasis. Die politische Macht liegt dabei in den Händen derer, die das Auslegungsmonopol besitzen, den Päpsten, Ayatollahs, Lamas, bzw. in der evangelischen Kirche beim MittelschichtsbürgerInnentum, usw..

Die ganze religiöse Macht basiert auf Lügen. Z.B. die christliche Kirche weiß natürlich inzwischen aus der wissenschaftlichen theologischen Forschung längst, daß und wann welche Teile der Bibel von Menschen wie geschrieben und umgeschrieben wurden und zu welchem politischen Zweck. Das selbe gilt für die anderen Religionen.
Alle großen Religionen haben außerdem in ihrer Geschichte die systematische Auslöschung anderer Kulturen betrieben bzw. legitimiert (z.B. Bücherverbrennungen / Zerstörung von Kunstwerken / Massenmorde / Vergewaltigung / .. z.B. durch die christlichen Missionare bei der Christianisierung Europas). Auch diese Greultaten wurden und werden umgeschrieben. Klassisch liefert hierfür das Modell der MärtyrerIn für den Glauben das Modell. Aus den brutalen menschenverachtenden TäterInnen wurden so im Christentum z.B. Heilige geschnitzt. Aus TäterInnen wurden Opfer stilisiert. In Palästina ist diese Verfahrensweise zur Zeit in aktualisierter islamischer Fassung life zu erleben.
Die religiöse MärtyrerInnenideologie ist auch Basis der nationalistischen Heldenmythen.

Sicher gab es auch MärtyrerInnen, die sich tatsächlich für mehr Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben. Im Sinne der dargestellten Integrationsaufgabe der Kirche, Widerstand durch Integration ins Leere laufen zu lassen, ergibt sich diese Aufnahme auch widerständig Handelnder in den Kanon der Heiligen notwendiger Weise. Nur welchen Sinn macht eine Heiligsprechung, die z.B. für das 20te Jahrhundert sowohl profaschistische Täter als auch Widerstandskämpfer zu Heiligen erhebt.[3]

Auf Grund eines Glaubens lassen sich sowohl Völkermord als auch das Gegenteil, der Kampf für politische Freiheitsrechte und soziale Forderungen, begründen. Für beides gibt es Beispiele in der Geschichte.
Dies gilt nicht nur für den Glauben sondern auch für andere Weltanschauungen.
Nur die Begründung des eigenen Handelns über den Glauben führt immer eine Immunisierung gegen Kritik mit sich, stellt der Glaube doch das durch ihn begründete Handeln hierarchisch höher als menschliches Alltagshandeln, und führt so zu autoritären Strukturen. Es darf in einer freien Gesellschaft keine Politik, die Menschen machen und die Menschen betrifft, kein menschliches Handeln und keine Erkenntnise geben, die von Kritik und Infragestellung ausgenommen sind. Religiöse Weltanschauungen und die marxistischen, kapitalistischen oder naturwissenschaftlichen Ersatzreligionen (Marxismus-Leninismus / Marktwirtschaftsideologie / Soziobiologie - mit ihrer evolutionsbiologischen Konkurrenzleistungsreligion -) haben aber genau diesen Absolutheitsanspruch zur Grundlage.

An sich ist dies Alles Allen bekannt. Trotzdem ist Religion wieder POP, auch der Pabst ist POP und Bands mit religiösem Anstrich machen Millionenumsätze.
Nicht nur der Deutschlandhype ('Ich bin Beate Use') auch der Religionshype ('Wir sind Pabst') ist als Teil einer Politik zu sehen, um eine kulturelle Hegemonie durchzusetzen, in der politisch klare kritische Positionierungen als sektiererisch erscheinen, schließlich 'sind wir doch alle Deutschland' und 'wir alle glauben doch an irgendeinen Gott'.
Interessengegensätze werden damit zugekleistert. Zur Ruhigstellung werden Menschen kurzfristige Gruppenerlebnisse eines scheinbaren Aufgehobenseins angeboten.
Real wird gleichzeitig die Spaltung der Bevölkerung durch kulturrassistische, sexistische und kapitalistische Politik verschärft. Denn jede braucht in diesem Denken EINEN Gott, EINE nationale Identität, EINE sexuelle Identität und anderen identitätspolitischen Scheiß. Auch das 'neue' Interesse an Familienstammbäumen und genetisch-neurologisch-biologistische Identitätspolitiken bedienen ähnliche Herrschaftsinteressen.
Doch, was ein Mensch ist, wird weder durch Gott, Gene, Geschlecht noch durch Vaterländer vorherbestimmt. Gott, Gene, Geschlecht und Vaterländer haben nur deshalb eine politische Bedeutung weil ihnen durch Machtsysteme seien es Religionen, Rassismus, Sexismus oder Nationalismus eine Bedeutung verliehen wird.

Mit einer Veranstaltung in der Korn - Spaghettimonster versus Genglaube - sind wir eingestiegen in das Thema Religionskritik aus anarchistischer Sicht. Danach gab es eine Reihe von inhaltlichen Veranstaltungen. Ideen hatten wir noch viele. Aber uns fehlte, die Zeit um dies umzusetzen.

Der Arbeitskreis hat sich aufgelöst. Falls sich aber wieder neue Interessierte finden kann sich das auch wieder ändern. Also, Du entscheidest. Bei Interesse melde Dich.


    Infos und Kontakt über Mail;
    Impressum oder übers Internet 3.Jahrtausend@posteo.de (Bitte "Holunderbeere" in Betreff schreiben, da Mails sonst als Spam aussortiert werden.).


Wir hatten z.B. noch Veranstaltungen angedacht, aber nicht umgesetzt, zu Themen wie:

- Religion als Politikersatz, Religion als scheinbare Gegengröße zum neoliberalen Kapitalismus

- Neochristentum, Neoislam, Funktion und Attraktivität der Neuerfindung

- Säkularer feministischer Widerstand im Islam

- Religion und Anarchie

- Sexismus, Rettungsrassismus und Religion (Deutsche Männer "retten" ausländische Frauen. Der Traum der Befreiung des Harems, ist vor allem ein männlicher Traum vom Harem (Kontext Prostitution, Illegalisierung, Zwangsprostitution))

- usw.


Außerdem hatten wir noch eine Reihe Ideen für Aktivitäten:

- Eine Reihe mit Open-Air-Kinofilmveranstaltungen zur Religionskritik. Ergänzt z.B. um NudelVoKü und Werbung für die Spaghettimonster-Religion.

- Die Produktion eines Weihnachts-Hörspiels 'Die Wahrheit über Joseph und Maria'.

- Die Ausschreibung eines Wettbewerbs für religionskritische Kindergeschichten.

- usw.



Darüber hinaus sind wir aber auch für neue Ideen offen.

KEIN GEN, KEIN GOTT, KEIN VATERLAND!!

Früher Aktive aus FAU & graswurzelrevolution



Kontakt: übers Internet 3.Jahrtausend@posteo.de (Bitte "Holunderbeere" in Betreff schreiben, da Mails sonst als Spam aussortiert werden.).












Fußnoten

- Fußnote 1 - Zurück zum Text
Ihr fragt Euch jetzt, was ist ein Göttel? Rückfrage, was ist ein Gott? Unsichtbar, logisch nicht faßbar, überall und nirgends, usw. - ein Göttel ist so was ähnliches, nur noch unsichtbarer -.

- Fußnote 2 - Zurück zum Text
Die auf Kinder zielende Religionspropaganda ist aggressiver als die McDonalds-Werbung.

- Fußnote 3 - Zurück zum Text
[..] Dabei muss man nicht nur auf Heilig- und Seligsprechungen aus jüngerer Zeit schauen, wie z.B. die von Josemaria Escriva, Gründer der ultraorthodoxen Pressure Group Opus Dei, oder die Segnung von Erzbischof Stepinac von Zagreb, der die kroatischen Ustascha-Faschisten bei der Ermordung von 350,000 Serben unterstützte. Otto von Corvin schrieb im Pfaffenspiegel 1845 von den "lieben, guten Heiligen", deren Hauptleistung Corvin zufolge in der Unterdrückung ihrer eigenen Wollust mit Hilfe verschiedener Formen der Selbstkasteiung bis hin zur Kastration bestand. Daneben beschäftigten sich die ersten Heiligen vor allem damit, das verhasste Heidentum auszulöschen. Der Heilige Nikolaus von Myra, heutzutage bekannt für sein Coca-Cola-Outfit, zerstörte zahlreiche heidnische Tempel der Heidengöttin Diana - sein Feiertag ist der 6. Dezember, zufälligerweise Dianas Geburtstag. Auch St. Martin zerstörte viele Tempel und hackte nebenbei auch religiös verehrte Bäume um. Und der Heilige Kyril von Alexandrien befahl oder duldete die brutale Ermordung der heidnischen Gelehrten Hypatia 415. So bekannt war Hypatia, dass selbst christliche Gelehrte wie Socrates Scholasticus sie in den höchsten Tönen als schöne, weise, tugendhafte Frau lobten.
Um Hypatia aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen, erfand die Kirche eine neue Heilige: Katharina von Alexandrien. Mehr als 100 Jahre vor Hypatia soll diese "intelligente, hübsche und sehr selbstbewusste junge Frau" (Fanseite) in Alexandrien Heiden zum Christentum konvertiert haben und dafür brutal ermordet worden sein. Da es für ihre Existenz keinerlei Beleg gibt, wurde sie 1969 aus dem Allgemeinen Römischen Kalender gestrichen. Sechs Jahrhunderte lang war sie eine der beliebtesten Heiligen von allen, und viele Christen ehren sie noch heute. Es ist halt eine schöne Geschichte.'

Zitiert nach;
Erik Möller - Zur Seligsprechung von Agnes Gonxha Bojaxhiu, alias Mutter Teresa - http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15888/1.html - 19.10.2003 - (Zum Teil ist dieser Artikel allerdings etwas verschwörungstheoretisch obskur, vor allem der Hinweis auf die Finanzierung der modernen Kunst und der Postmodernen Theorie durch den CIA. Die linken, poststrukturalistischer Theorie nahe stehenden, Gruppen mit denen wir zusammenarbeiten haben da leider noch nie Geld bekommen, vielleicht sollten sie mal einen Antrag stellen.)
Siehe auch:
Peter Bürger - Ratzingers Angst vor der Kirche der Armen - http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24922/1.html - 24.03.2007

































Arbeitskreis Religionskritik, Hannover

Blasphemie, Gotteslästerung - Arbeitskreis Religionskritik, Hannover, FAU, graswurzelrevolution, Was wir Wollen




Zuletzt aktualisiert 30.04.2016